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Beichte (im Netz) und dir wird vergeben???


Freitag, 28. November 2008 von Sabine

Ich bin heute auf eine eigentlich schlimme, aber irgendwie lustige Seite aufmerksam geworden.

Zu Anfang: Ich bin römisch-katholisch getauft und habe meine Religion genau bis zum Tag meiner Kommunion (damals musste man ja noch) durchgezogen. Zwei Jahre Ministrant (Messdiener), seitdem reichts mir. Eine Kirche habe ich zuletzt zur Beerdigung meines Vaters von Innen gesehen. Das ist über 3 Jahre her.

Ich persönlich sehe Religion eher als richtungsweisend, was das Zwischenmenschliche angeht. Begriffe wie Moral und Anstand leiten sich für mich aus den zehn Geboten ab. Das heißt noch lange nicht, dass ich das Treiben der Institution Kirche hier auf Erden gutheiße.

Bildquelle: Beichthaus.com

Nun zu meinem eigentlichen Anliegen:

Als ich auf einer meiner Standardseiten surfte, fiel mir eine Werbeanzeige auf, in der mir eine Nonne sagt: „Beichte deine Sünden & lies die Sünden anderer. Schreib uns was, wir wollen was zu lesen haben!“ Aha? Eine Nonne, die offenherzig mit dem Sakrament der Beichte schindluder treibt? Das wollte ich genau wissen.

Tatsächlich kann man auf dieser Internetseite, die eine .com-Domain ist und aus Bangkok (!!!) heraus betrieben wird, seine „Sünden“ beichten. Natürlich werden diese sofort zur Schau gestellt, indem man die „neuesten Sünden“ direkt auf der Startseite lesen kann. Diese kann man übrigens auch noch kommentieren!

Beiträge mit Inhalten wie „Ich habe als 14 Jähriger eine Ente mit einer Luftdruckpistole erschossen. Das Blut quoll aus dem Hals und sie fiel ins Wasser. Das war echt scheiße und ich hoffe das mir vergeben wird.“

oder „Ich arbeite bei ******** als Pau***** und habe nur Unsinn im Kopf. Anstatt zu arbeiten, geh ich auf Toilette und esse dort ungestört Marzipankartoffeln (Weihnachtszeit). Außerdem ess ich nie vor Dienstbeginn Abendbrot, da ich mein Abendbrot während des Aufräumens einnehme und die Asseln bekommen das nicht mal mit. Abgesehen davon machen das alle Pau***** und keiner rafft es. Wenn uns langweilig ist, tragen wir auch mal Selleriegefechte aus, wobei der Sellerie wie in Starwars als Waffe benutzt wird und wir dann damit gegenseitig auf uns einknüppeln. In 3 Tagen bekomme ich mein Basisgehalt und Weihnachtsgeld in den Arsch geblasen ohne wirklich dafür zu arbeiten. Das Arbeitsleben kann schon schön sein. Achso, wenn jemand fragt, wo er welche Waren findet, schicke ich ihn natürlich grundsätzlich in falsche Richtungen, da die Kunden alle zu blöd zu begreifen sind. Ich freue mich schon auf morgen.“ sind noch harmlos.

Der wirkliche Hohn dieser Seite besteht aus dem lustigen großen Button „Vergeben“, den man klicken kann.

Glaubt das denn wirklich jemand?

Wie weit geht der auf der einen Seite Exhibitionismus und auf der anderen Seite Voyeurismus der Deutschen denn noch? Da kann ich mir echt nur an den Kopf fassen!

Der Witz an der Sache ist, dass die Seite grundsätzlich kostenlos betrieben wird. Allerdings lassen sich die Betreiber zusätzliche Dienste (wie z. B. SMS-Versand) bezahlen und blenden bei jeder neuen Seite ein nerviges Pop-Up ein. Pure Geldmacherei!

Das ist Rotten-Neighbour in neuer Form: Hier schwärzt man sich selbst an!

Liebe Leute, wenn ihr schon Sünden vergeben lassen wollt, macht doch den traditionellen Weg in die Kirche. Das sind die hohen, meist hübschen Türme in der Stadt oder im Dorf, wo manchmal die lästigen Glocken (vornehmlich zur vollen Stunde) läuten! Oder sprecht mal ein Gebet… Soll ja manchmal helfen! Aber bitte, nicht so!


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Diesen Eintrag habe ich am Freitag, 28. November 2008 um 13:45 Uhr veröffentlicht und unter der/den Kategorie(n) Allgemein, Bild-Wunsch abgelegt. Schreibe mir einen Kommentar oder verfolge die bisherigen Kommentare durch den RSS-Feed. Du kannst mir auch einen Trackback von deinem Blog senden.

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2 Antworten zu “Beichte (im Netz) und dir wird vergeben???”

  1. Werner sagt:

    Wer sagt, dass Beichten etwas mit der Kirche zu tun haben muss? Klar hört das die römisch-katholisch Kirche nicht gern. Aber die Menschen auf dieser Erde haben ihren Mitmenschen schon etwas gebeichtet bevor es die Kirche überhaupt gab.

    http://beichthaus.com ist vollkommen religionsabhängig und das ist auch gut so. Der Sinn an der ganzen Sache ist doch sich die Last, die einen bedrückt, sich von der Seele zu schreiben und das wirkt befreiend. Außerdem möchte ich doch auch gern wissen was andere über meine Sünde denken. Vielleicht waren einige User einmal in der selben Situation und können mir hilfreiche Ratschläge geben.

    Beichthaus.com und deren User haben mir persönlich schon aus so manch schlimmen Situation rausgeholfen. Übrigens habe ich noch nie etwas für Beichthaus bezahlt, habe auch noch nie gesehen, dass dort irgendwelche zu bezahlenden Zusatzleistungen angeboten werden. Ich werde jedenfalls weiterhin die Online-Variante bevorzugen. Wer kann mir wohl mehr helfen, ein alter Dorf-Pfarrer oder die Weisheit von 50.000 Menschen?

  2. Sabine sagt:

    Hallo Werner,

    schön, dass du nach gut 2,5 Jahren meinen Artikel gefunden hast. Schön auch, dass sich das Layout von Beichthaus.com verändert hat und mittlerweile darauf hingewiesen wird, dass man wirklich in Bangkok sitzt und Besuche gern gesehen werden.

    Ich habe nicht gesagt, dass man sich nicht mit anderen Menschen austauschen soll. Dazu bietet das Internet viele Möglichkeiten.

    Die Tatsache, dass hier mit der Beichte trotzdem nicht gerade römisch-katholisch (oder sonst wie religiös) umgegangen wird und ich den damaligen Button „Vergeben“ immernoch lächerlich finde, der jetzt durch „Herr, ich habe gesündigt. Bitte vergib mir!“ ersetzt wurde, im übrigen noch lächerlicher, besteht allerdings noch.

    Wenn man so religionsunabhängig ist, bräuchte man den Begriff „Beichte“ nicht.

    Wenn Leute ihre „Sünden“, kleinen Erlebnisse und Gemeinheiten des Alltags ausplaudern möchten, sollen sie dies tun. Ich habe mich daran gestört, dass Leuten eine „Beichte“ präsentiert wird, die keine ist. Und das hat sich nicht geändert.

    Im Netz findet sich übrigens auch fast ausschließlich der Eindruck, dass man sich über Beichthaus zwar totlachen kann, viele Einträge aber wie Fakes wirken. Wem Beichthaus geholfen hat, den beglückwünsche ich.

    Liebe Grüße,
    Sabine

    PS: Die Möglichkeit, sich den SMS-Versand vergüten zu lassen, steht immer noch in den AGB. Lediglich die total nervige bei-jeder-Seite-öffnet-sich-ein-Pop-up-Geschichte wurde verändert.

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