Ich hatte mich heute auf eine gepflegte Portion Comedy gefreut.
Da ich schon ein wenig vom Deutschen Comedy Preis enttäuscht war, dachte ich, sei es an der Zeit, mal wieder richtig schön zu lachen.
Nun, Dieter Nuhr als Moderator verspricht schon einiges… Da bin ich Niveau gewohnt!
Es fing super an. Das Intro war eine gelungene Mischung aus Filmausschnitten und Selbstgedrehtem… So weit, so gut.
Aber dann wurde ich geschockt… Dieter Nuhr kündigt allen Ernstes den “Zivi von Harald Schmidt” an… Oliver Pocher… Was hat der denn nun da zu suchen? Und dann war sein Auftritt auch noch grottenschlecht… Ich meine, dass Oliver Pocher allein wegen seiner Größe wohl nie die Gürtelschnalle des Humors erreichen wird, weiß ich schon lang… Aber dem Publikum einen schlecht animierten “Kleinen Pocher” vor die Nase zu setzen und das zu toppen mit der Behauptung, er würde ab jetzt nur noch mit Niveau auftreten… Also bitte… Sch*** angefangen, sch*** aufgehört… Wann wird dieser Schandfleck endlich aus dem deutschen Fernsehen herausgeschnitten? Waschen reicht ja nicht mehr.
Der kurze Sketch, in dem Miss-ich-werde-von-allen-gepusht-obwohl-ich-nix-drauf-hab-Cindy aus Marzahn einem unangenehmen Gast die Toilette mit seiner Zahnbürste putzt, ist nun wirklich etwas für pubertierende Jamba-Sucht-Jugendliche, aber nichts für eine Samstag-Abend-Show im 25. Jubiläumsjahr von RTL.
Der Live-Auftritt von Ingolf Lück als Thomas Gottschalk und dem Team von Switch Reloaded war auch nicht sonderlich. Den Lückschalk kennt man in- und auswendig, die drei anderen Figuren (Heidi Klum, Stefan Raab und Peter Zwegert) sind für Sekunden-Blicke in Switch Reloaded vielleicht lustig, in einem zusammenhängenden Konsens allerdings unter aller Kanone. Besonders da mich die Figur des Stefan Raab schon auf dem Deutschen Comedy Preis gelangweilt hat.
Die Idee, einen Liegen-Sketch (die Kamera wird genau über der Spielfläche ausgerichtet, damit der Eindruck entsteht, die Schauspieler stünden waagerecht, obwohl sie senkrecht auf dem Boden liegen) zu probieren, war grundsätzlich schön. Allerdings muss ich gestehen, dass ich bereits bessere Versionen gesehen habe. Leider war selbst die Beleuchtung so eingestellt, dass man die eigentliche Illusion kaum wahrnehmen konnte.
Da waren die Einblendungen schöner, in denen Ralf Schmitz in einem gedrehten Raum, der allerdings durch die Kameraeinstellung als solche nicht erkennbar sein sollte, erst versucht, geschafft nach Hause zu kommen und anschließend, einen Wein aus dem Keller zu holen. Einstellungstechnisch, lichttechnisch, die komplette Ausführung war definitiv besser!
Schön anzuschauen war auch ein sprachloser Maddin in seiner Funktion als “großer Maddini”, der vom Klavier begleitet ein paar Zaubertricks vorführte. Mimik und Gestik waren sehr ausdrucksstark und wurden besonders durch die Kombination mit dem Klavier zu einer der höchsten Formen des Humors verwandelt – der ohne viel Gesabbel.
Mit Ausnahme von Maddin stachen allerdings einzig und allein die ausländischen Comedians wirklich hervor. Besonders die akkustische Unterstützung in einem amerikanischen Badezimmer, das selbstverständlich auch mit einer Pump-Gun ausgestattet ist und prügelnde Koalas - das war Comedy, die man sich ansehen konnte. Schattenspiele, in denen Barry White “Wonderful World” singt und sich Schwäne und Hasen putzen, waren herausragend.
Ein Schaumstoffmännchen, das den Gitarristen der Jordi Bertran Company quakend ausschimpft und versucht, ein kleines Kunststück vorzuführen, war technisch ausgezeichnet und humoristisch einfach nur klasse. Die Aussagen des ganzes Sketches wurden nur durch Körpersprache (beim Schaumstoffmännchen wirklich aufs Mindeste reduziert) und dieses Quaken (enstand durch ein Kazoo) herausgehoben. Einfach brilliant!
Weshalb nun eine amerikanische Comedian namens Amy G. meint, solch ein Kazoo zwischen ihren Beinen positionieren zu müssen, damit niemand merkt, dass ihr Partner hinter der Bühne “quakt”, kann ich leider nicht sagen. Wirklich lustig war daran bloß ihr Gesichtsausdruck, während sie das Kazoo positionierte.
O-Ton Dieter Nuhr: “Deutsche und ausländische Comedians treten hier unter einem Dach auf! Da können wir viel voneinander lernen!” – O-Ton ich: “Da lernen die Ausländer, wie man es nicht macht!”
Leider waren die Zwischenstücke, in denen Nuhr-Humor pur kam, zu kurz, um die anderen deutschen Patzer auszubügeln. In 2009 kann man sich also nicht mal mehr auf einen Nuhr im Anzug verlassen. Wenn dies den Humor des neuen Jahres gezeigt hat, weiß ich, welche Sparte im deutschen Fernsehen ich neben Talk Shows, Reality Shows, Love Shows und allen anderen Shows meiden werde. In den etlichen Jahresrückblicken 2008 habe ich bereits stolz festgestellt, dass ich viel Mist nicht geguckt habe.
Ich bin wirklich stolz, den Fernseher auch ausschalten zu können! “So, so, so, bei uns Bloggern ist das so”!
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© Sabine – Powered by WordPress – Design: Vlad (aka Perun)
04. Januar 2009 um 13:22
Hey Sabine,
wie recht du nur hast. Ich hab zwar nu ne stunde von dem Dreck gesehn, aber es hat mir gereicht.
Meinen allen größten Respekt, der Artikel ist der Hammer, echt klasse.
mfg MIB
18. Januar 2009 um 21:04
Hey Bine
also ich muss sagen mit dem Blog hast du den Nagel auf den Kopf getroffen.
Mfg
Brina