Glückwunsch-Blog

Willkommen in der Realität!

Wie viel Leid ist erlaubt?


Donnerstag, 26. Februar 2009 von Sabine

Unsere Nachrichten sind gespickt mit schlechten Neuigkeiten und schlechten Umständen, die sich nicht bessern. Einige Berichterstattungen liefen vor Jahren bereits genauso wie heute.

Jeden Abend, während man sich das Abendessen schmecken lässt, hört man nur von Krise, Gewalt und Tod. Gute Nachrichten lassen sich schlecht vermarkten, die Angst ist ein ständiger Begleiter der Journalisten auf dem Quotenfang.

Gibt es eine Schwelle für dieses Leid? Und wenn ja, wo liegt sie?

In Großbritannien ist durch eine einzige Frau eine heiße Debatte darüber entbrannt. Jade Goody.  Bekannt geworden durch Big Brother und als Krawallnudel bekannt (sie hatte unter anderem mit Rassismusvorwürfen Schlagzeilen gemacht) hat ein schweres Schicksal kassiert. Sie hat Krebs. Gebärmutterhalskrebs.

Jade ist Mutter zweier Söhne, vier und fünf Jahre alt, und hat dieses Wochenende ihren, wegen einer Schlägerei inhaftierten, Freund geheiratet. Im August 2008 kam die Horrorbotschaft ihres Arztes. Ihr werden nur noch einige Monate zugeschrieben. Aber Jade verkriecht sich nicht mit ihrer Krankheit. Sie vermarktet sie. Das Leben vor den Kameras ist sie gewohnt, “nun werde ich eben vor ihnen sterben”. Nach eigenen Aussagen will sie das Geld nutzen, um ihre Söhne finanziell absichern zu können.

Gesundheitsexperten weisen darauf hin, dass die Vorsorgeuntersuchungen für Gebärmutterhalskrebs seit Jades Kampagne von jungen Frauen wie noch nie zuvor genutzt würden – und damit für viele das Risiko eines tödlichen Verlaufs minimiert werden könne.

Unterstützung erhält sie von einigen prominenten Gesichtern. Der Justizminister Großbritanniens hat eine Sonderverfügung erwirkt, die Jades Freund die Möglichkeit gab, die Hochzeitsnacht in Freiheit zu verbringen. Der katholische Bischof von Wales, Kardinal Cormac Murphy-O’Connor, würdigte sie am Sonntag als “tapfere Frau”: “Viele Leute mögen sagen, sie solle das doch besser im Stillen ertragen”, sagte er im Fernsehsender Sky News. “Ich denke aber, sie hat sich entschieden, den Menschen etwas über die letzten Monate ihres Lebens beizubringen.” Sogar der britische Premierminister stellte sich hinter Goody. „Es ist sehr traurig und tragisch, dass so ein junger Mensch diesen tödlichen Krebs hat“, so Gordon Brown. „Jeder hat seinen eigenen Weg, damit umzugehen, und wir müssen ihre Entschlossenheit begrüßen, ihrer Familie zu helfen.“

Eine Frage stelle ich mir hier jedoch: Selbst wenn Jade ein geradezu eiskaltes Verhalten an Tag legt, um möglichst viel Profit aus ihrem Schicksal zu schlagen – Kann das nicht jede Mutter nachvollziehen? Würde nicht jede Frau versuchen, möglichst viel für ihre Kinder zurückzulegen? Und selbst, wenn dieser Grund sehr egoistisch erscheint – Spricht nicht gerade der sprunghafte Anstieg der Vorsorgeuntersuchungen, gerade bei jungen Frauen, für Jades Verhalten? Ist es nicht gerade der Weg der Nachrichten, durch Schockerlebnisse wachzurütteln? Ist nicht Jades Schicksal genau das, was Großbritanniens Frauen brauchten, um sich endlich um ihre eigene Gesundheit zu kümmern? Wenn jemand in der Bekanntschaft stirbt, wird einem doch erst bewusst, wie sehr man seine Familie liebt. Erst wenn etwas weg ist, weiß man, wie sehr man es gebraucht hat. Trockene Berichterstattungen und kalte Statistiken zu Krebs und dessen Vorsorge interessieren doch niemanden. Trotz hoher Lungenkrebszahlen fangen viele Jugendliche das Rauchen an. Trotz vieler Schwangerschaften von jungen Menschen, teils Kindern wie der 13jährige Brite, nehmen viele Erwachsene die pflichtbewusste Aufklärung immernoch nicht ernst. Obwohl an allen Straßenecken Kreuze stehen, dort, wo Jugendliche wegen Rasens und Alkohol am Steuer umgekommen sind, meist auch noch die Beifahrer, die nichts an ihrer Situation haben ändern können, rasen junge Leute weiter. Und Erwachsene stempeln dies als jugendlichen Leichtsinn ab. Der nur leider Leben kostet!

Sind es nicht solche Schicksale wie das von Jade, die vielleicht in unserer kalten, gleichgültigen Welt etwas verändern können? Wer darf sie für ihr Verhalten, das vielleicht Tausenden jungen Frauen das Leben retten wird, verurteilen? Niemand!


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Diesen Eintrag habe ich am Donnerstag, 26. Februar 2009 um 14:26 Uhr veröffentlicht und unter der/den Kategorie(n) Allgemein abgelegt. Schreibe mir einen Kommentar oder verfolge die bisherigen Kommentare durch den RSS-Feed. Du kannst mir auch einen Trackback von deinem Blog senden.

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