Hätte man vor 20 Jahren jemandem gesagt, dass eine kleine Mitteilung auf diesen neumodischen Handys eine ganze Stadt in Panik versetzen kann, Kindergärten dazu bringt, Türen abzuschließen und jeder Fahrer eines bestimmtes Autos in einer bestimmten Farbe zum Geächteten und Verfolgten macht, wäre man wahrscheinlich eingewiesen worden.
Aus den kurzen “Ich komme später.” oder “Ruf mal an.” ist längst die Basis zwischenmenschlicher Kommunikation geworden. Ganze Ehen zerbrechen, weil ein Partner eine Kurzmitteilung ignoriert. Viele Beziehungen entstehen nur durch SMS oder werden nur so aufrecht erhalten, gerade in der jüngeren Generation. Viele Informationen werden mit dem Short Message Service (SMS) unter das Volk gebracht.
Leider auch Fehlinformationen, die das Szenario, das ich anfangs beschrieb, auslösen. In Gröditz, zwischen Leipzig und Cottbus, ist genau dies nämlich passiert. Ein noch unbekannter Absender erlaubte sich einen Scherz. Mit schlimmen Folgen. In einer “Rund-Kurzmitteilung” wurde ein schwarzer Audi Kombi verdächtigt, Kindern nachzustellen. Vom Beifahrersitz aus würde eine Frau versuchen, Kinder ins Auto zu locken.
Natürlich waren innerhalb kürzester Zeit alle, die Kinder haben oder mit Kindern arbeiten, in höchste Alarmstufe versetzt. Die Polizei ermittelte, versuchte gleichzeitig in Kindergärten und Schulen Ruhe zu verbreiten.
Besonders schlimm muss es für Halter eines schwarzen Audi Kombis gewesen sein. Die Passanten auf den Straßen beobachteten nun nicht mehr die schöne Front des Autos, sondern wachten mit Argusaugen über die Fahrer. Jeder “Herr der Ringe” war ein potenzieller Kinder-Verschlepper. Ein Halter eines solchen Fahrzeugs meldete sich sogar selbst bei der Polizei, er war geschockt.
Laut den Ermittlungen der Polizei war die Kurzmitteilung allerdings ein schlechter Scherz. Alle Halter eines solchen Fahrzeugs wurden überprüft, es gab keine besonderen Vorkommnisse. Die Polizei entwarnte daraufhin die Bevölkerung. Ein bisschen Unmut wird wohl trotzdem bleiben.
Die Polizei wies erneut darauf hin, dass man, sollte man etwas Verdächtiges beobachten, dies sofort bei der nächsten Polizeistelle melden soll. Die Ordnungshüter gehen solchen Dingen sofort nach. Am besten ist es, sich möglichst viele Informationen (Uhrzeit, Ort, Auto, Kennzeichen, Aussehen des Täters, andere Umstände) genau zu notieren, damit einer solchen Panik vorgebeugt werden kann.
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