Das neue Gesetz zu Internetsperren wird sogar von Opfer von Kindesmissbrauch boykottiert. Natürlich tun dies (noch) nicht die armen Geschöpfe, die derzeit tagtäglich missbraucht werden, sondern missbrauchte Erwachsene, die nun endlich ein Sprachorgan für alle Missbrauchsopfer sein können und wollen!
Christian Bahls, Vorstandsvorsitzender des Vereins “MissbrauchsOpfer Gegen InternetSperren” (MOGIS) und Schreiber des Blogs mogis.wordpress.com , hat in einem Interview mit Zeit.de klargestellt, was MOGIS an Internetsperren stört. Zitat Bahls: “Weil er Kinderpornografie nicht bekämpft. Da ist irgendwo im Internet ein Missbrauch dokumentiert und die Bundesregierung schaut weg. Und sagt uns Bürgern, wir sollen auch wegschauen. Was noch viel krasser ist: Es werden zwischen den Staaten nur die Sperrlisten für die Filter ausgetauscht. Doch niemand bekämpft in seinem eigenen Land die Server, auf denen die Inhalte lagern. Wenn die zu den 1.500 Adressen gehörenden Server in den USA, Holland, Kanada und Deutschland dicht gemacht würden, die derzeit existieren, wären 90 Prozent der weltweit mit einem Browser erreichbaren Kinderpornografie nicht mehr verfügbar. [...] Wir sind für die effiziente Bekämpfung von Straftaten nach Paragraf 184 b (StGB). Dazu gehört aber, dass man die Inhalte aus dem Internet entfernt und die Inhaber der Server bestraft. Und über die Inhaber kommt man vielleicht auch an Leute, die so etwas herstellen und kann so verhindern, dass weitere Kinder missbraucht werden. Der Missbrauch muss unterbunden werden. Das aber geschieht nicht dadurch, dass die Bundesregierung ihren Bürgern Scheuklappen aufsetzt.”
Auf dem Blog will er auch klarmachen, dass durch das neue Gesetz potenziell jeder, der einen Link setzt oder auf einen unbekannten Link klickt, kriminalisiert wird.
Besonders schwerwiegend sind die Folgen für die Opfer! Ihnen werden keine zahlreichen, gut ausgebildeten Therapeuten oder Ansprechpartner gegeben. Im Gegenteil: Jeder, der aufgrund seines eigenen Missbrauchs nach passenden Suchbegriffen sucht, um Hilfe oder Gleichgesinnte zu finden, läuft Gefahr, vom BKA kriminalisiert zu werden. Schlimmer noch sind die Auswirkungen der Vorratsdatenspeicherung. Laut einer Umfrage weigern sich viele Betroffene per Internet oder Telefon Hilfe zu suchen, da ihre Anonymität aufgehoben ist. Hier sind also nicht nur Missbrauchsopfer, die sich nicht trauen, einen Ansprechpartner zu finden, betroffen – auch Suizid-gefährdete, Drogenabhängige, Menschen mit Eheproblemen oder Andere, die Hilfe benötigen, trauen sich nicht mehr, diese zu suchen! In was für eine Welt zwingt uns das Gesetz?
Wie leicht es sein kann, durch gezielte Linkverschickung oder versteckte Lademöglichkeiten Menschen zu kriminalisieren, stellt Reizzentrum dar. Durch kleine Tricks kann eine gewöhnliche Website alle ihre Leser in den Fokus des BKA rücken.
Würden Sie sich gern kriminalisieren lassen? Dann klicken Sie mal hier
Na? Schiss bekommen beim roten Schild? Keine Sorge, wer lesen kann, ist hier im Vorteil. Und ein bisschen Adrenalin tut gut, dafür lassen Sie einfach einen Kaffee weg
MOGIS stellt auch andere Möglichkeiten vor, die Kinder unserer Welt zu schützen, den Opfern zu helfen und Menschen vielleicht gar nicht erst zu Tätern werden zu lassen. Der Kaiser ist ja nackt! Schade, dass es zwar Geld gibt, um noch gut funktionierende Autos in die Schrottpresse (oder besser: illegal ins Ausland) zu schicken und einen Neuwagenkauf zu finanzieren, aber scheinbar nicht, um das Hilfenetz für wehrlose Kinder und erwachsengewordene, aber ihrer Kindheit beraubter Menschen auszubauen.
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