Glückwunsch-Blog

Willkommen in der Realität!

Zu spät?


Dienstag, 07. April 2009 von Sabine

Manchmal muss ich mich schon wundern über das Individuum Mensch!

Beispiel: Jemand stirbt! Buhu! Dann geht’s los…

“Ich wollte doch noch…”, “Warum habe ich nie…”, “Wir hatten doch geplant…”. Das Hier und Jetzt kann unglaublich schnell in ein “Dort und damals!” umschwenken. Haben diese Erfahrung nicht alle schon gemacht?

Gerade der Tod ist ein Thema, mit dem es sich auseinander zu setzen gilt, weil uns erst der Tod zeigt, wie wichtig das Leben ist! Ich habe schon lange darüber nachgedacht, über dieses Thema zu schreiben und zu sprechen, und nun mache ich mal den Anfang!

Meine ersten Erlebnisse mit dem bösen, bösen Tod weiß ich gar nicht mehr. Meine Großeltern (die nach einer Art Rangfolgenprinzip nun mal meistens die ersten sind), habe ich, bis auf meine Oma mütterlicherseits, alle nicht gekannt. Anders mein Bruder, aber der hatte ja auch 4 Jahre Vorsprung! Wirklich getroffen hat mich dann natürlich der Tod meiner eben genannten Oma mütterlicherseits, weil ich da bereits 14 Jahre alt und im augenscheinlichen Besitz meiner geistigen Kräfte und Nicht-Kräfte war. War das eine Heulerei! Und es hat gut getan! Heulen tut gut! Trauern befreit! Ohne Trauer kein Abschluss, so seh ich das!

Besonders hart war dann für mich, als mein Vater kurz vor meinem 18. Geburtstag starb. Gesundheitlich war er nicht gerade ein Marathonläufer und seine Liebe zu Zigaretten war alles andere als beruhigend, aber es kam wie es kam. (Blöd, dass ich die doofen Glimmstengel mittlerweile auch seit 8 Jahren zu meiner Suchtliste zähle). Als mein Dad starb, waren alle ziemlich aus den Socken gehauen, da er eigentlich für eine Routine-OP ins Krankenhaus kam.

Es war wieder eine Heulerei! Und nein, diesmal ging es nicht so schnell vorbei wie bei meiner Oma. Dass die Großeltern sterben, ist irgendwie ziemlich normal. Dazu muss ich sagen, dass ich nie eine wirklich enge Verbindung zu meiner Oma hatte. Bei meinem Dad war das anders. Ich bin die Tochter, ich war das Papa-Kind. Außerdem träumt jedes Mädel davon, vom Papa zum Traualtar geführt zu werden. Man stellt sich den Papa mit dem eigenen Sohn beim Angeln vor. All diese Träume waren von eben auf jetzt zerplatzt. Kein Hier und Jetzt, kein Dahinten und Morgen – nur noch ein Dort und Damals. Wenn ich von meinem Vater spreche, muss ich nun die Vergangenheitsform benutzen. Mein Dad war cool. Ein bisschen spießig, aber cool! Am schönsten war die Tatsache, dass er kein Händchen für Handys hatte. So konnte man ihn eine halbe Stunde fluchen lassen, indem man einfach die Tastensperre seines Handys aktivierte. Blubb! So schnell kanns gehen… *fies grinst*

So schnell kanns gehen… Genau das ist der Satz, den sich viele Menschen in vielen Situationen in Erinnerung rufen sollten. Wenn man mal wieder stinkig ist auf den Partner, die beste Freundin, die Eltern, egal wen – So schnell kanns gehen! Merkt es euch! Ab und zu sollte man sich fünf Minuten Ruhe gönnen und überlegen: “Was wäre, wenn…” – der Partner plötzlich gehen, – die beste Freundin einen Unfall hätte, – die Eltern sterben. Was wäre, wenn jemand stirbt? Habe ich oft genug umarmt? War ich ehrlich? Habe ich zugehört, wenn ich sollte? Was möchte ich gern noch mit diesem Menschen erleben? Sollte ich mich nicht besser mal wieder melden?

Und meine Güte, die schönsten Momente müssen kein Geld kosten! Einfach mal die Freundin anrufen, mal zusammen zu Mittag essen, mal knuddeln. Den Partner, auch wenn es stickige Luft gibt, in den Arm nehmen. Man darf auch seinen Eltern sagen, dass man sie liebt. Dass man stolz darauf ist, ihr Kind zu sein. Ich bin sehr stolz auf meine Eltern. Sie haben mich 18 bzw. 22 Jahre lang ertragen und einen einigermaßen ordentlichen Menschen aus mir gemacht. Sie haben mir Moral beigebracht, über-den-Tellerrand-gucken und sich-in-die-Schuhe-eines-anderen-stellen. Wichtige Lektionen, die ich ohne sie nie kapiert hätte. Sie waren ebenso streng wie locker mit mir.

Natürlich ist nicht das ganze Leben eitel Sonnenschein! Wäre ja auch saulangweilig… Aber gerade, wenn ein Gewitter herrscht, sollte man daran denken, dass auch ein Blitz einschlagen kann. Ich zähle wenige Menschen zu meinem Freundeskreis, die meisten sind Bekannte oder Habe-ich-mal-gesehen. Aber meiner Familie und meinen Freunden versuche ich so oft wie möglich zu zeigen, dass ich sie gern habe. Denn bei einem bin ich mir sicher: Jeder liebt es, geliebt zu werden!


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Diesen Eintrag habe ich am Dienstag, 07. April 2009 um 00:30 Uhr veröffentlicht und unter der/den Kategorie(n) Bines Glückwünsche abgelegt. Schreibe mir einen Kommentar oder verfolge die bisherigen Kommentare durch den RSS-Feed. Du kannst mir auch einen Trackback von deinem Blog senden.

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