Man stelle sich eine einfache Rechnung vor:
Durch Gebühreneinnahmen von 1.000 Euro pro Mitglied schafft es eine Institution auf Einnahmen von gut 6.000.000 Euro im Jahr. Tatsächlich ausgegeben werden aber nur 3.000.000 Euro. Durch Bezuschussung eines Außenstehenden kann die Institution weitere 4.000.000 Euro im Jahr als Plus verbuchen.
Diese Zahlen klingen gerade in der Finanzkrise ziemlich gut. Wenn man nun allerdings das Wort “Mitglied” durch “Student” ersetzt, “Institution” durch “Hochschule Niederrhein” und “Außenstehenden” mit “Bundeslandes”, sieht es gar nicht mehr so hübsch aus.
Unser Bildungssystem muss aufgerüstet werden. Hierzu wurden 2007 die Studiengebühren von 500 Euro im Semester festgelegt. Was würden Sie mit 500 Euro machen? Neue Klamotten? Lecker Essen? Nix da, Studenten müssen diese Kosten zahlen, wobei sie sich meist eh nur durch Nebenjobs über Wasser halten können.
Der Rektor der Hochschule Niederrhein begründet sein “Bunkern” der Studiengebühren damit, dass er bis 2015 neues Personal bezahlen wolle – was eigentlich Aufgabe des Landes ist. Wissenschaftsminister des Landes NRW ist Herr Pinkwart, dieser begrüßt die Pläne der Hochschulen. Er findet es also toll, wenn die Studenten von Heute in einer Art Rentensystem für die Professoren der nächsten und übernächsten Generation zahlen sollen. Obwohl dies, ich betone es mal, Aufgabe des Landes ist!
Haushaltslöcher stopfen nennt man dies. Der Rektor geht davon aus, dass das Land die Hochschule nicht mehr lange unterstützen würde. Also werden die zahlenden Studenten übers Ohr gehauen und deren Gelder gebunkert (ich denke mal, inklusive Zinsen, die man bis 2015 einkassieren kann). Und die Politik findets toll.
Grundprinzip des Vorgehens:
- Etwas versprechen, was alle wollen (hier: Verbesserungen des Bildungssystems)
- Verbote, Pflichten und Regeln einführen, um diese Verbesserungen durchführen zu können (hier: Studiengebühren)
- Abwarten, bis die Abgezockten etwas merken (hier: die Studentenvertreter mussten sich tagelang durch chaotische Aufstellungen wühlen, bis klar war, wo das Geld hingeht – oder eben nicht)
- Wenn sie es gemerkt haben, fadenscheinige Ausflüchte vom Besten geben, damit alle wieder ruhig sind (hier: das Land werde die Professuren nicht mehr zahlen, das sollen die Hochschulen ergo die Studenten selbst übernehmen)
- Am Ende steht der berühmte politische Schritt: Sich wundern, warum das Volk damit nicht einverstanden ist
Diese einfachen 5 Schritte können Sie übrigens auf so gut wie alle politischen Entscheidungen, die “zum Wohle des deutschen Volkes” beschlossen wurden, anwenden. Probieren Sie es ruhig mal aus!
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