Ich lebe seit 22 Jahren in Euskirchen – Wisskirchen. Unser Schutzpatron ist St. Medardus, wir haben Kindergarten, Grundschule, Spielplatz, Kirche und einen Sportplatz mit Sportheim.
Wir haben auch einen Dorfplatz, dieser sieht seit 22 Jahren so aus (ich gebe zu, die parkenden Autos haben in dieser Zeit schon noch gewechselt):
Ich stelle fest: eine öde Fläche, gut geeignet für Parker, die die umliegenden Bewohner besuchen wollen. Ganz links stehen Glascontainer, daneben eine Bushaltestelle und eine Riesen-Trauerweide. Ich bin mit diesem Platz groß geworden.
Es gibt keine Löcher, keine Hubbel, nichts also, was irgendwie eine Gefahr aussenden könnte. Hinter dem Platz geht es an die Veybach, der Zugang ist sehr flach und dadurch von Kindern begehrt, um Wasser fürs Spielen zu holen (eigene Erfahrung). Die Veybach ist an dieser Stelle recht breit, dafür aber sehr flach. Höher als Fußknöchel-höhe steht die Veybach nur nach starkem Regen. Nachtrag: Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die Veybach an dieser Stelle ausgeschaufelt wurde, weil der begradigte Bach sonst bei starken Regenfällen regelmäßig den Dorfplatz und die umliegenden Keller geflutet hat. Er ist also tiefer, als ich annahm, etwa hüfthoch bei normalem Wasserstand.
Das Konjunkturpaket II ist auch in Euskirchen angekommen. Statt den völlig maroden Zustand des Trotzenbergs zu verbessern, an den immerhin ein Tuning-Geschäft grenzt, kommt die Stadt nun auf die tolle Idee, unseren Dorfplatz zu verschönern. Von Steuergeldern. Immerhin 350.000 Euro werden dafür locker gemacht. Von Steuergeldern! Und die Anwohner wurden wohl bereits informiert, dass sie auch noch, je nach angrenzendem Stück Straße, mitblechen dürfen.
Wir verschönern also einen Dorfplatz, der keinerlei Gefahren aufweist, keinen Publikums- oder Touristenverkehr sieht und mit dem alle als Parkplatz zufrieden waren. Besonders Wanderer und Radfahrer nutzen den Dorfplatz oft, weil sie sich dort treffen, ihre Fahrzeuge abstellen und dann abschwirren. Wenn Privatpartys stattfanden, und ich muss sagen, bei uns in der Straße sieht es mit Parkplätzen am Wochenende eher mau aus, wurden die Gäste gebeten, dort zu parken. Ganz intelligente Vertreter der Spezies Mensch haben dort auch geparkt, wenn auf dem etwa 700 Meter entfernten Sportplatz etwas gebacken war. Denn wenn da ein Fest stattfindet, wurde und wird regelmäßig das ganze Dorf zugeparkt. Wir scheuchen dann die armen Teufel immer von unserem Privatparkplatz, sodass sie sich meist völlig behindernd halb auf den Feldweg stellen. Ich bete immer, dass da kein Rettungswagen durchmuss.
350.000 Euro Steuergeld plus Anwohnerkosten… Und im Internet findet man nicht einmal etwas. Nur der Kölner Stadtanzeiger, Unterkategorie Euskirchen, hat einmal aufgelistet, was in unserer Gegend alles vom Konjunkturpaket II bezahlt wird. Ich bin gespannt, was für einen Mist die mit dem Dorfplatz anstellen wollen. Wenn sie die Trauerweide fällen, einen hübschen Platz mit Bänken draus bauen und die Parkplatzmöglichkeiten total einschränken, sehe ich die Anwohner bereits kochen. Die Begründung, Spielfläche müsse her, können sich die Politiker schon in die Haare schmieren… Wir haben einen Spielplatz direkt neben dem Kindergarten und einen am Schulgelände.
Hauptsache, der Steuerzahler zahlt…
Apropos: In Anlehnung an “Ich fühle mich eingesperrt…” möchte ich hier ein Update bringen. Der Feldweg Richtung Modellflugplatz ist wieder frei, tiefergelegte Autos sollten die Strecke aber mit Vorsicht genießen. Dafür hat man nun kurz vor Wisskirchen eine Baustelle und mitten in Wisskirchen eine Baustelle. Auf vllt. einem Kilometer hat man so zwei Baustellenampeln. Die Alte Landstraße ist immernoch beruhigte Zone, weil sich die Anwohner ja beschweren (wenn man bei dem Baulärm dafür noch Zeit hat). Die erste Einfahrt von Euskirchen aus ist mal zu, mal offen, die zweite genauso, nur die dritte Einfahrt (wenn man also beide Baustellenampeln überlebt hat) ist weiterhin frei zugänglich, wenn sie denn von nachfolgenden Autofahrern von Mechernich kommend freigehalten wird. Wenn ich mich also allein auf öffentlich zugelassene Fahrtwege beschränke, brauche ich mehr als 10 Minuten vom Nachbardorf Euenheim bis ich in mein Dorf hineinfahren kann. Zum Glück haben wir Sommerferien, so müssen die wild parkenden Mütter in ihren SUVs nicht ihre Einzelkinder durch die Baustellen zum Kindergarten kutschieren.
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