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Endlich nützlich – Schufa wird zurechtgerückt


Donnerstag, 20. August 2009 von Sabine

Endlich wird eine Neuerung in ein Gesetz übernommen, die sogar mal sinnig ist.

Das Bundesdatenschutzgesetz wird am 1. April 2010 dahingehend verändert, dass den Verbrauchern mehr Rechte im Umgang mit ihren Daten bezüglich Auskunfteien (z. B. Schufa AG) zugesprochen werden.

Diese Auskunfteien sammeln Informationen über Bürger für ihre Kunden. Dies sind meist Kreditinstitute, Händler, Telefonanbieter und ähnliche. Wenn man ein schlechtes Scoring bei diesen Auskunfteien hat, kann es sein, dass eine Finanzierung im Fachmarkt abgewiesen, ein weiterer Handyvertrag nicht abgeschlossen oder ein Kredit zu anderen Konditionen angeboten wird.

Wie genau sich dieses Scoring allerdings zusammensetzt, kann der Verbraucher nicht erkennen. Wenn er denn überhaupt eine Ahnung hat, dass er bei den Auskunfteien gelistet wird.

Gerade mit der Schufa wird viel Negatives verbunden. „Du bist bei der Schufa? Was haste denn angestellt?“ oder „Bei uns bekommen sie Kredite, trotz negativer Schufa“ sind leider nicht nur alltägliche, sondern auch sehr dumme Sätze. So gut wie jeder ist nämlich bei der Schufa registriert. Etwas um die 65 Millionen deutsche Bundesbürger stehen in der Schufa-Liste – selbst ich (da ich nämlich einen Handyvertrag habe).

Die Schufa selbst beschreibt ihren Datenbestand so: „Der Bestand der SCHUFA umfasst aktuell 440 Millionen Datensätze von 65 Millionen Bürgern. Zu über 90 Prozent der gespeicherten Personen liegen ausschließlich Positivmerkmale vor. Diese zeigen, dass eine Person wirtschaftlich aktiv ist und dabei zuverlässig handelt. Neben den Basisdaten wie Name, Geburtsdatum und Anschrift sind beispielsweise Girokonten, Kreditkarten, Handyverträge, Leasingverträge, Kredite und Versandhandelsgeschäfte auf Rechnung vermerkt.

Negative Informationen wie offene, ausreichend gemahnte und unbestrittene Forderungen oder die Abgabe einer Eidesstattlichen Versicherung sind dagegen ein Hinweis auf nicht vertragsgerechtes Verhalten. Kontostände, Einkommen oder Geldanlagen beispielsweise werden nicht gespeichert.“

Eine „negative Schufa“ gibt es schonmal gar nicht. Die SCHUFA AG ist eine AG, nix positives, nix negatives. Die Schufa teilt den Verbrauchern Punkte zu – von 0 bis 100. Da gibts also auch nix negatives! Mit negativ ist hier gemeint, dass man wenig Schufa-Punkte hat. Bei 100 Punkten gilt man als 1a-Kunde und bekommt all die Versprechen, mit denen Kunden z. B. in Banken gelockt werden. Ab 99 und abwärts wird es immer schwieriger, an das zu kommen, was man haben möchte.

Wer sich nun informieren möchte, was bei ihm selbst so drinsteht, sollte sich 7,80 Euro bereithalten und bei www.schufa.de vorbeischauen. Dann kann man nämlich die vollständige Eigenauskunft per Post nach Hause bestellen.

Nun gibts es nicht nur die SCHUFA AG, die solche Daten sammelt, sondern auch andere. Die großen 4 sind Schufa, Creditreform, Bürgel und Arvato Infoscore. Ja, von den drei anderen hat wahrscheinlich noch nie jemand etwas gehört…

Ilse Aigner, Verbraucherschutzministerin der CDU, hat nun eine Studie in Auftrag gegeben, die herausfinden sollte, wie transparent diese Unternehmen arbeiten. Im Endeffekt kam das heraus, was man erwartet: Transparenz ist bei diesen Firmen ein Fremdwort.

Für die Auskunft über Daten, die über einen selbst erhoben werden, soll man Geld bezahlen. Ob die Angaben richtig sind, wird nicht geprüft. Bislang gab es sogar ein sogenanntes Geoscoring, wo die Bewertungen allein aufgrund des Wohnortes rauf oder runter gingen. Das wird zum Glück ab 2010 verboten. Bisher haben Kreditinstitute auch fleißig die erhaltenen Kredite und deren Höhe bei den Auskunfteien angegeben, nicht aber, wenn jemand diese Kredite vor Vertragsablauf ablöste (was zu einem positiven Wert führen müsste). Auch dies ist ab 2010 strafbar und wird mit Bußgeldern bestraft.

Eine große Debatte entbrennt, wenn man überlegt, ob solche Institutionen überhaupt noch Sinn machen und datenschutzrechtlich erlaubt sein können. „Die Auskunfteien sammeln in ihrer Datenwut alles, was möglicherweise Rückschlüsse auf das Zahlungsverhalten zulässt und seien es rotgeringelte Socken.“, sagt Birgit Höltge von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Auch die Studie der Verbraucherschutzministerin Aigner meldete: 46 Prozent der Einträge waren nicht korrekt. Mal handelte es sich um eine Namensverwechslung, mal war ein Immobilienkredit falsch eingetragen, mal in der Kontonummer ein Zahlendreher. „Bei Creditreform bekamen 58 Prozent der Tester einfach die gleichen Informationen zugeschickt, die sie selbst übermittelt hatten. Bei Infoscore lagen in 95 Prozent der Fälle keine bonitätsrelevanten Informationen vor. Dies sei höchst zweifelhaft, so Aigner. „Falsche Werte führen zu falschen Rückschlüssen auf den Verbraucher.“ (Quelle: Welt.de)

Ganz hart erwischte es einen meiner Bekannten. Bei ihm lag der Score plötzlich sehr niedrig, im unteren Drittel. Als er Auskunft bekam, was denn so alles bei ihm drinstehe, las er plötzlich von einem Haftbefehl. Er hatte aber nie einen Haftbefehl erhalten oder war in irgendeiner Weise auffällig geworden. Das Amtsgericht wusste von keiner Anzeige, sein polizeiliches Führungszeugnis war sauber, seine Weste rein – aber die Schufa knallte ihm einen Haftbefehl vor den Kopf. Auf die Frage, wie sie denn dadrauf kämen, konnten die Mitarbeiter nichts antworten – und schafften es ein halbes Jahr und etliche Anrufe später, dieses Ding aus der Datenbank zu löschen. Nicht vorzustellen, was gewesen wäre, wenn mein Bekannter wegen eines Unfalls oder ähnlichem dringend Geld gebraucht hätte, die Banken fragen ja bei der Schufa an.

46 Prozent der Einträge der 4 größten Auskunfteien sind schlichtweg fehlerhaft. Und auf solch „verlässlichen“ Informationen bauen Banken, Telefonanbieter und etliche Händler ihre Geschäftsbeziehungen zu Verbrauchern auf. Glückwunsch!

Das neue Bundesdatenschutzgesetz, das ab April 2010 gilt und unter anderem fordert, dass die Eingetragenen einmal im Jahr eine kostenlose Auskunft über ihre Einträge erhalten sollen, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Trotzdem sollten sich Politik, Wirtschaft und die Auskunfteien selbst einmal überlegen, wie sicher, wie relevant und wie wahrheitsgemäß diese Einträge überhaupt noch sind – und wie viel Wert die Auskünfte haben sollten.


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