Am Wochenende habe ich irgendeine Reportage gesehen, in der Passanten, besonders Jugendliche, gefragt wurden, ob sie “Ayo Technology” von Milow kennen.
Es ist dasselbe Spiel, wie ich es bereits bei “Generation Porno” im April angedeutet habe. Es war verblüffend.
1. Schritt: Ja klar, jeder kennt das Lied, die meisten fangen bereits bei der Frage an, mitzusummen, die anderen können spätestens mit den Kopfhörern auf einmal ein paar Brocken mitsingen. Soweit ist es noch einfach, ist der Song doch ziemlich einprägend:
“Ähhhhjjooooo…mmhmmhmm mhmh mhm tecknoloscheeeyyyy….” Die meisten bekommen es also hin, Bruckstücke des Textes wiederzugeben. Worum es in dem Song denn so gehe, möchte man wissen. “Ja, ey, ich glaub, der singt das für seine Freundin!” “Es geht um Liebe” “Ich glaub, der hat Liebeskummer” … Schöne Antworten, leider alle falsch!
2. Schritt: Man versucht, seine eigenen Wissenslücken mit etwas überaus Intelligentem zu füllen: Der Annahme. Sie nehmen einfach an, es ginge um Liebe oder Liebeskummer. Sie wissen es nicht, also müssen sie glauben.
3. Schritt: Man überrasche die Teilnehmer, indem man ihnen die Wahrheit sage!
Das ist der lustigste Schritt von allen! (Ich gehe davon aus, Sie hören noch den Song. Sollte dies der Fall sein, klicken Sie nun lieber auf Pause!) Nun präsentieren wir vorab: Das Original!!!!
Na? Da kommt man schon ins Grübeln, ob es noch um Liebeskummer geht. Spätestens beim Vergleich der Songtexte (Lyrics Milow vs. Lyrics 50 Cent) merkt man dann, worum es sich wirklich handeln könnte. Man schockiere mit der Übersetzung:
“Ich hab kein Bock mehr auf Technologie
Warum setzt du dich nicht auf mich drauf?
Ich hab kein Bock mehr auf Technologie
Ich brauch dich hier vor mir
In deiner Fantasie, da gibts viel zu sehen
einfach, wie es sein würde, auf mir, den Rücken streichelnd
Schweißnass.
Alles in meinen Laken.”
Hier beende ich meine Teilübersetzung. Na? Hat schon jemand gemerkt, wo der Hase lang läuft? Richtig!!!!!
Es ist immer wieder eine Wonne, zu sehen, wie sich die Gesichter verändern, wenn die Jugendlichen herausbekommen, was sie da die ganze Zeit eigentlich zu hören kriegen. Ja ja… Wollten bei dem “Schmuse-Song” die ganze Zeit mit ihren Typen kuscheln, die haben instinktiv den Songtext verstanden und begonnen, die Mädchen zu begrabschen. “I need you right in front of me”. Und DANN zicken die Weiber auch noch rum… Dummheit ist schon was ganz Tolles!
Denselben Effekt erzielt man übrigens, wenn man das Publikum erst hiermit anheizt:
Und ihnen anschließend die Möglichkeit gibt, den Songtext zu lesen und darin zu erkennen, dass der Song vom Missbrauch chemischer Drogen handelt:
Volle Kanne Einwurf, 3 Tage wach
Paniert und ding dong ding dong, 3 Tage wach
Bunte pillen Fete, 3 Tage wach
Puls wie ne Rakete, 3 Tage wach
Punkt Punkt komma klar, 3 Tage wach
Du warst gestern auch schon da, 3 Tage wach
Spieglein an der wand wer ist drei Tage wach?
Du und deine oma sind 3 Tage wach
Nase voll, pimmel schrumpft, 3 Tage wach
essen doof, schlafen doof ,3 Tage wach
banane in der birne, 3 Tage wach
bollerbuden dirndl, 3 Tage wach
Besonders die Zeile mit der bunten Pillenfete oder die, wo das männliche Geschlechtsorgan anfängt, sich zu subtrahieren, sollte eigentlich jedem auffallen, woher ich meine eben erwähnte Annahme habe.
Früher war es so, dass Botschaften in Songtexten versteckt wurden, damit nicht jeder sofort wusste, welche Botschaft man weitergeben wollte. Das nannte man unterschwellig. Mittlerweile wurde die Prollschwelle angehoben, weil es *piep*egal ist, was man singt, solang der Beat stimmt, weil die ganzen Deppen den unterschwelligen Mist gar nicht kapieren, die sind sogar zu blöde, den überschwelligen Mist zu verstehen. Besonders peinlich, weil das Beispiel 3 Tage wach auch zeigt, wie sehr die deutschen Jugendlichen ihre Sprache beherrschen.
Oder es “interessiert” sie einfach nur nicht… Das war glaube ich heutzutage der Ausdruck, wenn man dämlich ist. Zumindest sehe ich mich jetzt darin bestätigt, dass dieses Phänomen ca. 80 % der Jugendlichen zwischen 15 und 24 erleben können. Meiner Erfahrung nach…
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