Alle schimpfen auf die kriminellen Jugendlichen, die schreienden Kleinkinder und völlig überforderte Mütter, die alles selbst schuld seien…
Fakt ist: Immer mehr und immer jüngere Jugendliche, mittlerweile sogar Kinder, saufen sich regelmäßig das Hirn weg. Dazu kommen immer mehr Schlägereien, die immer brutaler ausarten und weitere Kleinigkeiten wie fehlender Respekt, fehlende Diszisplin, fehlendes Unrechtsbewusstsein, etc.
Natürlich muss man hier auch die Unterscheidung machen können zwischen den “schlimmen Fällen”, die immer publiziert werden, und den “normalen Fällen”, von denen meist kaum jemand etwas veröffentlicht. Diejenigen, die Mist bauen, bekommen Aufmerksamkeit, diejenigen, die sich anstrengen, werden in den Schatten gedrängt.
Wenn ich durch die Stadt laufe und mir die Jugendlichen ansehe, bekomme ich Angst um mein Deutschland. Diese Jugendlichen sollen mal große Firmen leiten, andere Kinder erziehen und lehren, man munkelt sogar, dass die Politikerriege einmal durch Jüngere abgelöst werden soll. Doch wohin steuert Deutschland mit diesen “Monster-Kindern”? Schaffen die überhaupt noch den Sprung ins Erwachsenenleben, in dem Verantwortung, Disziplin und Respekt eine Rolle spielen? Können sich unsere Jugendlichen überhaupt noch in der Schule, in der Ausbildung oder im Job so in Strukturen einordnen, dass sie ihr Leben meistern?
Die Symptommilderung ist kurzfristig gesehen natürlich sehr wichtig. Maßnahmen, in denen Jugendliche wieder in eine akzeptable Bahn geschubst oder Programme, in denen ihnen anders geholfen wird, sind auf kurze Zeit das Wichtigste, was unsere Politik und Wirtschaft, nein, unsere Gesellschaft braucht. Es ist ein Armutszeugnis, dass man Panik haben muss, wenn einem auf der Straße ein paar Jugendliche entgegenkommen, dass diese einen ohne ersichtlichen Grund zusammenschlagen könnten. Erst vor ein paar Tagen musste ich, als ich zur Bank wollte, an saufenden Kindern (ich schätze sie auf 13 oder 14) vorbei, die sich auf dem Parkplatz vor der Stadtverwaltung Bier hinter die Binde kippten. Mulmig war es mir schon.
Die andere Seite ist die Seite der Jugendlichen selbst. Warum schießen sie sich ständig mit hartem Alkohol ab? Warum prügeln sie sich und kennen keine Grenzen der Gewalt? Meine Generation war der Anfang der Komasäufer, aber wir kannten mehr Grenzen. Gerade was Gewalt angeht, wussten wir, dass man nicht mehr zutritt, wenn jemand am Boden lag. Heute tritt man dann erst richtig zu…
Aus Babys, die nur schreien, essen und Windeln vollmachen, werden Kinder, die zu Anfang lediglich die Eltern und die engste Familie imitieren. Später werden im Kindergarten, in der Grundschule, weiterführenden Schulen und bei Freunden die Weichen des jungen Lebens weiter gelegt. Menschen, die aufwachsen, imitieren zunächst. Kinder übertragen Verhaltensweisen der Eltern, der Betreuer, der Lehrer und anderer Erwachsener auf sich selbst. Erst unbewusst, später entscheiden sie selbst, welches Verhalten sie übernehmen und welches nicht.
Wo kommt nun also der Knackpunkt, wo aus süßen kleinen Scheißern brutale Schläger, Porno-Rap-Hörer oder Komasäufer werden?
Die ersten, die es Kindern schwermachen können, sind die eigenen Eltern. So traurig es ist, wenn man sich die Super-Nanny mal ansieht, sind die meisten Verhaltensstörungen, die bei Kleinkindern auftreten, von den Eltern verursacht.
Wenn in der Kinderstube bereits solch massive Beeinträchtigungen auf die Entwicklung der kleinen Seelen Einfluss nehmen, ist es für mich fragwürdig, wie weit diese Kinder noch normale Erwachsene werden. Die nächste Stufe ist der Kindergarten, der dank der aktuellen Familienpolitik immer früher auf die Kinder lauert. Frau von der Leyen hofft anscheinend, die Kinder aus dem Kreißsaal heraus in eine Betreuung geben zu können, damit die Frauen sofort weiterackern.
Man kann sich nun streiten, ob es gut oder schlecht ist, wenn Kinder frühstmöglich von der Familie weg in die Kita gegeben werden und wie sich die fehlende Zeit, die die Mütter oder Väter nicht mit dem Kind verbringen können, auf die Entwicklung auswirkt. Ich persönlich bin da recht “altmodisch” und will mein Kind selbst aufziehen können. Wenn das nicht geht, weil beide Eltern arbeiten müssen, um das Essen auf den Tisch zu bringen, ist eine Kita bestimmt eine gute Möglichkeit. Es gibt ja immer zwei Seiten.
Nach dem Kindergarten, die ja bereits in meiner Generation gut gefüllt und für die Erzieher kaum zu überblicken waren, kommen die Grundschulen und weiterführende Schulen. Grundschullehrer haben vielleicht noch die Möglichkeit, den Kindern etwas Erziehung zu vermitteln – nachfolgende Lehrer haben schon so gut wie keine Chance mehr - aber es ist nicht ihre eigentliche Aufgabe. Aufgabe eines Lehrers ist es, zu lehren, zu unterrichten. Die Lehrpläne sind dicht gesteckt, es soll viel Stoff in die Köpfe gebracht werden. Neben diesem Stress sollen Lehrer nun auch noch erziehen, wozu sie in ihren 45 Minuten Schulstunde gar keine Zeit haben. Wenn unerzogene Kinder ohne eine Ahnung von Respekt und Disziplin in die Schule kommen, haben Lehrer selten noch die Möglichkeit, viel zu reißen.
Die andere Seite wird natürlich durch desinteressierte Lehrer dargestellt, die nur ihren Stoff durchziehen und auf die Rente warten. Gerade was Kinder angeht, gibt es immer zwei Seiten. Bei den Eltern, den Erziehern, den Lehrern, den Freunden, den Vorbildern.
Vorbilder? Haben unsere Jugendlichen noch Vorbilder? Lernen Kinder noch den Unterschied zwischen Gut und Böse? Nehmen wir mal das Fernsehen oder Internet, mit dem unsere Kinder groß werden.
Ich bin aufgewachsen mit dem Lila-Laune-Bär, dem alten “Löwenzahn”, der Sendung mit der Maus. Später kamen He-Man, Saber-Rider oder SailorMoon. Erst Aufklärung und Wissen, später die Kämpfer, die das Böse immer und immer wieder besiegen. Zeichentrick hat mir durch die Darstellung der Bösen gezeigt, was man nicht macht. Man ist nicht gemein zu anderen, unterdrückt oder beleidigt andere, man ist eben nicht Skelletor (der Erzfeind He-Mans).
Was gucken Kinder heute? Die Teletubbies sind ja schon wieder raus aus der Nummer. Spongebob hat zwar auch eine “Feindfigur” in Plankton, aber wirklich bösartig ist der nicht. Bernd das Brot hat auch keine Gegner, die als Böse bezeichnet werden können (dafür aber eine sehr gesellschaftskritische Nachtschleife). Wenn ich mir das Programm des KiKa beispielsweise ansehe, gibt es nur noch eitel Sonnenschein, aber keine Unterscheidung zwischen Gut und Böse mehr. Auch im Internet gibt es kein vergleichbares Programm. Oder kann mir jemand einen Tipp geben?
Wenn man sich nun ansieht, welche Nachrichten auf Kinder einprasseln, kann ich es auch verstehen, dass die so jung wie möglich anfangen, sich ins Nirwana zu saufen. Wem traute man denn früher? Bankern, dem Pastor, dem Bürgermeister, dem Verkäufer in der Bäckerei und anderen. Trauen wir denen heute noch? Politiker lügen eh den ganzen Tag, die Banker wurden gerade erst durch die Mangel gedreht, selbst Ärzte sind nur noch Abzocker, die Geld für Patienten nehmen, damit sie sie in ein bestimmtes Krankenhaus überweisen. Neben den Vorbildern, die immer mehr verblassen und negativen Einfluss nehmen, verblassen auch die Zukunftschancen. Ausbildungsplätze gibt es kaum noch, die Schulen sind überfüllt, die Lehrer überlastet. Jobs sind schon lange weg, und die meisten Jobs werden mittlerweile so schlecht bezahlt, dass man davon nicht leben kann. Das einzige, was viele Kinder wirklich kennen, ist das Wort Hartz IV. Gibt es noch eine Person des öffentlichen Interesses, an der man sich orientieren kann? Wird nicht die ganze Welt schwarz gemalt? Muss man sich dann als Kind und Jugendlicher überhaupt noch anstrengen, um in diese Gesellschaft zu passen? Soll man sich anstrengen, um die Gesellschaft besser zu machen? Kann man die Gesellschaft noch besser machen? Komasaufen, Prügeleien, Schießereien, Amokläufe, Lug und Betrug, wo man nur hinsieht. Haben unsere Kinder da überhaupt eine Chance, “ordentlich” aufzuwachsen?
Ich kenne viele, die Angst davor haben, Kinder zu bekommen, weil sie so werden könnten wie die Kinder, über die wir jetzt schimpfen. Dass es im Grunde auf die Eltern ankommt, wie sie ihre Kinder erziehen und dass Eltern ein Leben lang Einfluss auf ihre Kinder haben können, betont kaum jemand.
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05. September 2009 um 00:17
Doch, letzten Sonntag hat unsere noch amtierende Familienministerin in der Sat1 Arena ganz klar festgestellt, das die Eltern in der Pflicht sind und keiner vom Staat eine Vollregelung des Lebens erwarten darf. Was auch gut ist, denn viele versuchen feige, massiv Eigenverantwortung abzugeben, um dann fein raus zu sein.
Ja, die Gesellschaft ist seit vielen Jahren im Umbruch und Nein, was die von der Leyen als predigt (Kind so früh wie möglich in die KiTa, damit Mama wieder arbeiten kann -und Papa sowieso -die Adenauerschen Gesellschaftsbilder halt), davon halte ich auch nicht alles für richtig.
Richtig, alles Friede, Freude und viel Eierkuchen im KiKa. ich habe früher viel DisneyClub samstags gesehen, Chip und Chap, die Gummibären etc. Da gab es auch noch das Modell Gut vs. Böse.
Ich bin auch für eine realistische Erziehung eines Kindes inklusive dem Bestrafungsmodell. Anstand verlangen, Fähigkeiten sehen und fördern und Grenzen bestimmen ist wichtig. Man kann kein Problem weggrinsen und dabei sagen “Nix passiert” (wie ich DEN Satz hasse!). Auch Motivation und Lob gehört klar dazu. Als Eltern muß man immer die erste Position besetzen, ansonsten steigt das Kind einem irgendwann aufs Dach -und dann ist der Schritt bis zur Jugendkriminalität nimmer weit.
Allerdings wird es auch immer wichtiger, das eigene Kind frühzeitig zum Karate, Boxen oder Judo etc zu schicken, damit es sich angemessen ab der Mittelstufe verteidigen & austeilen kann. Schule war und ist Krieg, der Kampf um Ruhe und Respekt (solang er einem nicht aufgrund normaler Erziehung entgegengebracht wird). Die Lehrer tragen aber auch einen Teil dazu bei. in der Schule prallen noch extremer als im KiGa sämtliche Mentalitäten und Erziehungsmodelle aufeinander.
usw…