Mit dem RAF-Themenabend konnte das Erste mal wieder richtig gut Zuschauerquoten sammeln. 5,3 Millionen sahen den ersten Teil des Kinofilms “Baader-Meinhof-Komplex”, noch gut 4 Millionen sahen sich auch die Themenaufarbeitung bei Anne Will an.
Zunächst der humorvolle Teil, den wahrscheinlich Niemand außer mir gesehen hat, weil der Teletext irgendwie nicht so richtig gehen wollte. Mir bot sich nämlich dieser Anblick:
Wirklich interessant fand ich nur die Diskussion um das Freigeben, “Verschlampen”, wieder Freigeben, dann doch nicht, hin und her und nochmal andersrum der Regierung und zuständigen Behörden, was die “Verschlussakten” um z. B. den Mord am damaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback angeht. Die Problematik wurde zwar leider vom Sohn des Ermorderten etwas “persönlich” behandelt, was mir ein skeptisches Augenzucken brachte, aber so gesehen ist diese Misere das Schlimmste an der persönlichen Situation Bubacks.
Im Hinblick auf die Ausstrahlung des “Baader-Meinhof-Komplex” war das Thema immerhin so gut gewählt, dass viele Zuschauer einfach hängenblieben. In Erinnerung an das Erscheinen des Kinofilms 2008 fiel mir allerdings auf, dass mir das Thema bekannt vorkommt… Diese Woche lautete der Redaktionstext zur Sendung so:
“Der “Krieg” der Bürgerkinder
Der Deutsche Herbst gehört zu den düstersten Kapiteln der Geschichte der Bundesrepublik. Vieles wurde seither über die RAF recherchiert, dokumentiert und diskutiert. Doch noch immer sind wichtige Fragen offen. Mehrere Morde sind nicht aufgeklärt, ehemalige RAF-Mitglieder schweigen beharrlich und auch die Bundesregierung will nicht alle Akten öffentlich machen.
Gleich nach dem ersten Teil des Films “Der Baader-Meinhof-Komplex” im Ersten diskutieren bei ANNE WILL Opfer, Täter, politische Amtsträger und Zeitzeugen über ihre Erfahrungen und Einschätzungen. Wie wurden aus jungen, politischen Menschen brutale Mörder? Hat der Staat zu allen Zeiten angemessen reagiert?”
September 2008 stand dies im Text:
“Der Baader-Meinhof-Komplex
Der Terror der RAF war eine der größten Herausforderungen für die Bundesrepublik Deutschland. Mehr als 30 Jahre liegt der so genannte “Deutsche Herbst” zurück: die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, der Lufthansa-Maschine “Landshut” – und der Selbstmord der RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe im Gefängnis in Stuttgart-Stammheim.
Jetzt erzählt der Kinofilm “Der Baader-Meinhof-Komplex”, der Deutschland im Ringen um einen Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film vertreten soll, die Ereignisse zwischen 1967 und 1977 aus der Sicht der Täter nach. Noch bevor der Film am kommenden Donnerstag offiziell startet, wird über ihn bereits heftig debattiert.
Auch Angehörige von RAF-Opfern äußern sich kritisch. In unserer Sendung wird der Sohn des von der RAF ermordeten Andreas Baron von Mirbach, Clais Baron von Mirbach, über seine Sicht auf den Film und die damaligen Ereignisse sprechen.
Welche Rolle spielen die Opfer der RAF – im Film und in der öffentlichen Wahrnehmung? Ist “Der Baader-Meinhof-Komplex” ein gelungenes Zeitdokument oder pures Action-Kino? Wie hat der Terror die Republik geprägt? Und: Hat der Staat damals angemessen und richtig reagiert?”
Ist es nun erstaunlich, dass nach der jüngsten Sendung genau die gleichen Fragen und Antworten existieren wie noch vor einem Jahr? Ist es verwunderlich, dass Zuschauer im Anne Will Blog fragen “Wird hier getestet, ob wir an Demenz leiden?”? pc-wg schreibt sogar: “Auch wir hatten beim Titel ein déjà vu (oder besser: ein déja lu) Erlebnis, waren aber aus Zeitgründen nicht in der Lage, der Sache nachzugehen. Deshalb besonderen Dank für Ihren Hinweis auf die Vorsendung von 2008. Könnte es sein, dass mit dem erneuten Aufgreifen des Themas dem Beginn einer “Palastrevolte” (z. B. Studentenproteste) gleich mal der Wind aus den Segeln genommen werden soll, nach dem Motto: wehret den – erneuten – Anfängen, denn damals, zu Beginn der RAF-Zeit, ging es auch so los und wir wissen doch, was daraus geworden ist?”
Spiegel Online höhnt sogar: “Das Problem bei Anne Will war nur: Wie war noch mal die Frage? Worum ging es eigentlich? Um eine kollektive Filmrezension?”
Geehrte Anne Will, geehrte Redaktion,
würde ich Ihre Sendung nicht regelmäßig verfolgen, wäre mir dieser zweite Waschgang wohl nicht aufgefallen. Aber gerade weil ich Aktualität und Informationsgehalt Ihrer Sendung schätze, hoffe ich wirklich, dass es nächste Woche besser wird!
Die gesamte Sendung können Sie sich hier ansehen.
Hier finden Sie die Blogeinträge zur Sendung im September 2008 und zur Sendung im November 2009.
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