In den letzten Tagen hat die Nachricht, es solle eine PKW-Maut geben, unter anderem den Radiosender WDR2, und somit mich, stark beschäftigt. Welt.de meint zum Beispiel, dass Bahnreisende, Führerscheinlose und Nie-Reisende nicht die Straßen finanzieren müssten, sondern es allein auf die Autofahrer abgewälzt werden müsse. Nun hat die Regierung diese Überlegungen erstmal wieder auf Eis gelegt.
“Wer nutzt, zahlt.”
Grundsätzlich finde ich die Idee “Wer nutzt, zahlt.” gut. Allerdings möchte ich bei den Überlegungen einige Gedanken einfließen lassen, die mir als Autofahrerin so durch den Kopf gehen.
Fahrrad- und Zu-Fuß-Geh-Maut?
Straßen kosten Geld, das sehe ich ein. Allerdings kosten Bürgersteige und Fahrradwege genauso Geld. Müsste also, wenn es zu einer PKW-Maut kommen würde, nicht ebenso eine Fahrrad- und Zu-Fuß-Geh-Maut eingeführt werden? Welche Maut zahlen dann die Rennrad-Fahrer, die mir ständig, trotz gut ausgebauten Fahrradwegen auf meiner Spur querkommen, weil sie mit ihren hypermodernen Rädern lieber Gefahren- und Nervquelle zugleich auf der Autospur spielen, statt den Fahrradweg zu nutzen? Wenn der Nutzer zahlen soll, wer bezahlt dann die Straße, wenn ein “Nie-Reisender” mit dem Krankenwagen über deutsche Straßen fahren muss? Müssen nun Fußgänger die Fußgänger-Ampeln mitfinanzieren und ich darf die Auto-Ampel zahlen?
Arbeitnehmergedanken
Fragen über Fragen, aber für mich als Arbeitnehmer gibt es noch mehr Ansätze: Wie soll ich noch zur Arbeit kommen, wo doch ach so viel Mobilität gefragt ist (ein einfacher Arbeitsweg von 2 Stunden wird selbst bei Auszubildenen in Kauf genommen, Deutschland macht mobil); Müsste die Pendlerpauschale dann an die Maut angepasst werden, weil sie sonst einfach nur sinnfrei wird und eine Umwälzung der Gelder bedeutet? Meine regelmäßige Arbeitsstätte ist 40 km entfernt, also müsste ich nach den derzeitigen Plänen jeden Tag nochmal knapp 2,40 Euro bis 3,20 Euro an “streckenbezogener Maut” zahlen, wo ich bereits die Ökosteuer und Ölmarktspekulationen beim Tanken bezahle. Selbst wenn ich nun auf die Bahn ausweiche, muss ich zunächst ein teures Monatsticket oder Jobticket zahlen und käme, bei normalen Arbeitszeiten, nicht mal per Bus aus meinem Dorf raus… Ich muss also mindest 7 km bis zum Bahnhof fahren, wofür ich dann 21 bzw. 28 Cent am Tag zahlen soll. Wie soll diese Nutzung überhaupt beobachtet werden? Großraumüberwachung per Satellit? Dann kündige ich und lebe von Hartz IV; Bevor ich jede Autobewegung aufzeichnen lasse, latsch’ ich lieber stundenlang zu Fuß und bin unnütz.
Das Leben auf dem Land
Da ich quasi auf dem Land lebe und es vor einiger Zeit in unserer Stadt einen Riesenaufstand gab, weil der letzte Lebensmittelmarkt aus der Innenstadt wegzog, kommt mir noch eine Frage: Wie komme ich an Trinkwasser? Man muss dazu sagen, dass wir hier in der Gegend so ziemlich das kalkhaltigste Wasser der ganzen Region haben, ich trinke daher nie Kraneberger. Reicht so grad zum Zähneputzen. Ich kann mir also kein lustiges “Ich-pumpe-Kohlensäure-in-Leitungswasser-und-spare-mir-das-Kisten-schleppen” erlauben. Ich muss Trinkwasser kaufen. Ich muss diese Kisten ja nun irgendwie nach Hause bekommen, wenn ich nicht jeden Tag mind. 8 Flaschen einzeln nach Hause schleppen will. Da fallen dann auch noch mal ein paar Kilometer an, weil der nächste Supermarkt ca. 4 km entfernt ist – unser Standard-Supermarkt ist allerdings gut 10 km entfernt (man möchte doch bestimmt nicht mit einer Maut Einfluss auf den freien Markt ausüben, oder?).
Dienstleistungen auf der Straße
Wo wir grad beim Innenstadt-Aufreger sind: Damals ging es besonders darum, dass nun ältere Menschen nicht mehr so einfach an Nahrungsmittel kamen. Da fällt mein Gedankengang direkt zu den Pflegediensten – Können die, bei dem Kilometer-Aufkommen, das sie gerade hier auf dem Lande haben, überhaupt noch mit der Maut arbeiten? Wir haben hier auch Bäckerswagen und kleine Supermarkt-Busse, die extra in den Dörfern halten – Wie sieht’s mit denen aus? Oder der hier so beliebte Eiswagen… Zahlt das Innenministerium dann auch Maut, wenn sie die Polizisten auf die Straße schicken?
53 Milliarden Steuern und Abgaben
Und eine Frage zuletzt: “Die FDP bezeichnete die Vorschläge des Umweltbundesamtes als inakzeptabel. Eine Pkw-Maut stelle eine unzumutbare Belastung für die Autofahrer dar. Diese zahlten bereits 53 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben, teilte der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Döring mit.” Reichen 53 Milliarden nicht so langsam mal aus?
Anregungen für die Straßennutzung
Ich fahre relativ viel mit dem Auto und habe auch ein bisschen Zeit, darüber nachzudenken, was ich da tue. Seit Längerem wird von etlichen Experten angeraten, den Motor bei Rot-Phasen abzustellen. Viele neue Modelle haben bereits die Stopp-Start-Automatik, bei der der Wagen automatisch ausgeht und beim Einkuppeln wieder anspringt. Die meisten Fahrzeuge allerdings sind älteren Baujahrs (trotz Abwrackprämie) und verfügen nicht über diesen Luxus. Ich habe mir angewöhnt, bei Ampeln, deren Phasenverlauf ich einschätzen kann, manuell den Wagen auszumachen. Allerdings sind die meisten Ampeln einfach nicht einschätzbar – sobald man mehr als 3 Sekunden braucht, um loszufahren, beginnt hinter Einem das Hupkonzert.
Mein Vorschlag: Um das Ausschalten des Motors zu begünstigen, sollten entweder die Rot-orange-Phasen (wenn die Ampel auf Rot stand, geht Orange erst parallel an, dann folgt allein Grün; wenn die Ampel auf Grün stand, geht Orange allein an, dann allein Rot) verlängert werden, um Stress beim manuellen Starten vorwegzunehmen. Solang da noch Orange leuchtet, hupt nämlich kein Mensch. Bei neu zu bauenden Ampeln könnte auch eine zweite Anzeige eingerichtet werden, die durch das Vollenden eines weißen Kreises anzeigt, wie lang die Rot-Phase noch besteht. Ich glaube, durch mehr Sicherheit, wann die Ampel umspringt, würde auch das manuelle Aus- und wieder Einschalten des Motors üblicher im Umgang – und es spart Sprit und CO².
Verkehrserziehung durch Belohnung
Bislang empfinde ich die Regulierung des Straßenverkehrs bezüglich der Geschwindigkeiten eher als Abzocke, weil Polizisten mit der Laserpistole oder dem Blitzkasten immer da stehen, wo ich noch nie einen Unfall gesehen habe. Nebenbei: Ich fahre seit 5 Jahren die gleiche Strecke zu unterschiedlichsten Zeiten… Dementsprechend fährt kaum ein Mensch immer brav nach Vorschrift, weil er diese Vorschrift einsieht, nein, die meisten haben Angst vor einer Knolle oder riskieren es eben. Gerade mit der Aktion “Landstraße verzeiht keine Fehler!” wird wieder gezeigt, dass es kein anderes Eingreifen außer der Regulierung über den Geldbeutel gibt. Ich finde solche Aktionen gut, weil man gerade hier in der Voreifel genügend Kreuze am Wegesrand sieht, die fast alle mit überhöhter Geschwindigkeit zusammenhängen. Nur zeigen doch die Zahlen seit Jahren, dass die Methode Schnell-kostet-Geld eher wenig Erfolg auf Dauer hat.
Die grüne Welle – es gibt sie!
Mein Vorschlag: Innerorts kann man Autofahrer zu anständigen Geschwindigkeiten erziehen, indem man sie damit belohnt. Die Stadt Euskirchen hat beispielsweise zwei Streckenabschnitte auf der Ringstraße (einmal ab der Kommerner Straße über den Basingstoker Ring bis zur Kölner Straße und einmal ab dem ehemaligen Hallenbad bis zum Kaisers-Center) durch die Ampelschaltung so reguliert, dass man mit exakt 50 km/h eine grüne Welle erreicht. Wie soll ich’s sagen? Da rast keine Sau… Schade ist, dass die erstgenannte Strecke in die andere Richtung mit exakt 70 km/h eine grüne Welle hergibt, die viele versuchen, noch auszunutzen… Hier wird also genau in die falsche Richtung erzogen.
Mir ist klar, dass man nicht auf jeder Strecke grüne Wellen als Verkehrserziehungsmittel einbauen kann, z. B. wenn zwei Hauptverkehrsstraßen einander kreuzen – dort müssen Wartezeiten in Kauf genommen werden. In Euskirchen wird daher auch viel mit Kreisverkehren gearbeitet, die größtenteils super Erfolge erzielen. In Meckenheim allerdings sind die Ampeln so blöde gestellt, dass ich, um einmal über die Hauptstrecke durch die Stadt zu fahren, an drei roten Ampeln stehe. Ich warte länger auf Grün, als ich mit konstanten 50 km/h bräuchte, um die gesamte Ortschaft zu durchqueren. Hier wäre doch ein Ansatzpunkt.
Weitsichtige Ampeln
Dazu kommen “intelligente Ampelsysteme”, die den Verkehr erkennen und dementsprechend umschalten können. Wenn ich von “Essig” kommend auf Kuchenheim zufahre, schaltet die Ampel sofort auf Grün, wenn ich ein paar Meter davor bin und kein Verkehr an den anderen Straßen wartet. Das finde ich grundsätzlich super. Allerdings gäbe es auch hier Verbesserungsmöglichkeiten. Bislang muss ich von der 70er-Zone vor der Ampel bis auf knapp 20 km/h runterbremsen, ehe die Ampel mich erkennt. Das wäre toll, wäre hinter der Ampel nicht immernoch eine 70er-Zone. Ich bremse also von 70 auf 20, um auf 70 zu beschleunigen und dann, etwa 200 Meter weiter, auf 50 abzubremsen wegen der Ortseinfahrt. Kann eine Ampel nicht mit etwas mehr “Weitblick” ausgestattet werden? Wenn ich nun bei Anfang der 70er-Zone vor der Ampel brav auf 70 runterbremse, sollte die Ampel mich belohnen, indem sie ein paar Sekunden, bevor ich ankomme, automatisch umspringt. Wer zu schnell fährt, wird ausgebremst, denn die Ampel ist ja nur nett zu Leuten, die sich an die 70 halten. Das spart Sprit, weil ich nicht stark abbremse und wieder beschleunige, geschweige denn stehen bleiben muss, und schont die Bremsen, weil ich ja gemütlich mit 70 km/h “durchschlendern” kann. So würde der Autofahrer recht schnell merken, dass er, wenn er sich an die StVO hält, dafür belohnt wird.
Gefahrenstellen sichtbar machen – im Internet und der Zeitung
Für den interessierten Autofahrer wären auch Diagramme, die von der Polizei erstellt und im Internet abrufbar sind bzw. regelmäßig in Tageszeitungen veröffentlicht werden, hilfreich. Nein, hier geht es nicht um Tortendiagramme, welche Autofahrer wann wie viele Unfälle produzieren – Mich würde die Unfallhäufigkeit interessieren. Das Straßennetz Euskirchens wird abgebildet und sog. Gefahrenstellen, wo regelmäßig viele Unfälle passieren, werden knallrot gekennzeichnet. So kann 1. jeder Autofahrer darüber nachdenken, ob er an solch gefährlichen Stellen weiterhin ein riskantes Verhalten an den Tag legen will und 2. werden Blitzaktionen der Polizei transparenter: Wenn die Polizei da blitzt, wo es tatsächlich oft scheppert, hätte zumindest ich dafür Verständnis und würde es gutheißen. Außerdem könnte man in Verbindung mit der Archivierung dieser Karten erkennen, ob regelmäßige Blitzaktionen einen Erfolg bringen.
So, ich bin mal wieder ausgeufert und gratuliere jedem, der die Zeit und die Nerven hatte, meine Gedanken bis zum Ende zu lesen. Sie haben soeben ein halbes Taschenbuch hinter sich gebracht
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