Ich möchte euch erzählen, was mit einer Katze passieren kann, die als “schwer vermittelbar” angekündigt wurde und der immer der Nachsatz “Wenn es Probleme gibt, holen wir sie auf jeden Fall sofort zurück. Rufen Sie einfach an!”, anhing. Ein hoffnungsloser Fall, so hieß es damals. Das ist nun 3 Jahre her.
Im Mai 2007 holte ich zwei Katzen aus einem Katzenheim. Der Kater, “Streunerli” bzw. umbenannt in Buddy, war ein ehemaliger Streuner und musste nach einem Autounfall operiert werden. Als ich mich im Katzenhaus nach einem neuen Mitbewohner umschaute, wurde er mir als “nicht zutraulich”, “lässt sich nicht anfassen” und “wird wohl nie richtig schmusen wollen” angekündigt. Nach zehn Minuten im Schneidersitz auf dem Boden des Tierheims lag “Streunerli” zufrieden schnurrend auf meinem Schoß. Zack, mitgenommen!

So warf sich Buddy im Katzenheim vor meine Füße, ehe er sich auf meinem Schoß breitmachen konnte. Die linke Halsseite war rasiert, dort war eine etwa 5 cm große OP-Narbe vom Autounfall zu sehen.
Buddy war von Anfang an nicht die Problemkatze. Die hieß damals “Leni” und wurde von mir ungesehen “rausgeholt” – während meines Besuchs im Katzenheim konnte ich “Leni” nämlich kein einziges Mal sehen. “Die Leni kommt nur selten zum Fressen mal raus, meist wird sie dann von den anderen Katzen geschlagen.”, hieß es. Nach Absprache mit meiner Mutter, die das Motto “Wo eine Katze satt wird, werden auch zwei satt” vertritt, rief ich im Tierheim an und wollte sowohl “Streunerli” als auch “Leni” zu mir nach Hause holen.
Die Betreuerinnen waren extrem überrascht, galt “Leni” doch als “schwer vermittelbar”, scheu und extrem ängstlich. Kein Wunder bei dem, was ihr jeden Tag im Katzenheim geschah. Während der Übergabe und Hausbesichtigung durch die Betreuerinnen wurde mir bestimmt 20 Mal ans Herz gelegt, dass “Leni” wieder abgeholt werden würde, wenn es Probleme gäbe. “Sie ist jetzt meine Katze und meine Katze bleibt bei mir!” Ich ahnte in etwa, was auf mich zukommen würde.
Um den Beginn ihres neuen Lebens klarzustellen, musste “Streunerli” sich nun an den Namen “Buddy” und “Leni” sich an “Joy” gewöhnen – schließlich war “Freude” das, was diese Katze scheinbar lange lange Zeit vermisst haben musste. Buddy war seit seinem Einzug wenig kompliziert, bis auf die Tatsache, dass er sich, als erfahrener Streuner, einen Zweit-Wohnsitz mitsamt “Katzen-Kuschel-Couch” und Futterreserven zulegte. Nach Beschwerden des Tierarztes über sein Gewicht und einem Gespräch mit den Nachbarn war das gelöst. Buddy war im Grunde eine gewöhnliche Freigänger-Katze.
Das Zusammenleben mit Joy entpuppte sich als schwieriger. Sie war aggressiv, drückte ihren Unmut über alles mögliche direkt mit Unsauberkeit aus. Jede Ecke war ihre, Körperkontakt war tabu und alles, was sich in ihre Nähe traute, wurde weggefaucht oder gekratzt. Darunter litt vor allem Amy, mein Schäferhund-Welpe, da sie immer neue Spielkameraden suchte und oft ein paar auf die Nase bekam. Joy und Amy halten heute noch respektvollen Abstand voneinander.
Innerhalb von gut 2 einhalb Jahren hatte ich es mit Geduld und Ruhe geschafft, dass Joy sich etwa 5 Minuten lang streicheln ließ, ohne sofort danach zu kratzen. Sie schlief sogar mit auf meinem Bett, auch wenn Buddy und Amy dabei lagen. Die Unsauberkeit war vergessen, da Joy sich daran gewöhnen musste, nicht immer ihren Kopf durchsetzen zu können. Sie lebte sich allmählich ein, verstand, dass ihr Futternapf ihr allein gehörte und dass Buddy keine Konkurrenz darstellte. Trotzdem blieb immer eine Barriere zwischen Joy und mir.
Dann kam ein Ereignis, das alles auf den Kopf stellte. Ich musste mit Joy zum Tierarzt. Die Impfungen hatte ich extrem schleifen lassen, da Joy sich sowieso kaum anfassen ließ - da war mir bang beim Gedanken an den Doktor. Anfang Juli fasste ich mir nun ein Herz, denn Joy musste geimpft und gechipt werden. Ihr Problem… Trotz meiner Bedenken konnte ich Joy durch andauernden Körperkontakt beim Tierarzt ruhig und annähernd entspannt halten. Sie wurde gewogen, geimpft, gechipt – ohne ein einziges Mal zu fauchen oder zu kratzen. Neben dem Stolz, der mich überkam, hatte ich aber die Sorge, dass der Tierarzt-Besuch, oder viel mehr die Autofahrt dahin, ein Trauma bei Joy wachrufen könnten.
Wie soll ich es sagen? Nachdem wir wieder zu Hause ankamen und Joy bemerkte, dass sie nicht ausgesetzt oder abgegeben wurde, brach das Eis vollends. Seitdem schmust sich Joy durch die Welt, mittlerweile haben wir Schmusezeiten von einer halben Stunde. Sie ist weniger aggressiv, entspannter, daheim. Auch wenn es viel Nerven gekostet hat, aus der ängstlichen und daher aggressiven “Leni” eine verschmuste, entspannte Joy zu zaubern, so hat es sich gelohnt. Ich habe eine Schmusekatze – und keiner wusste davon.
Natürlich ist es anstrengend, eine Katze aus dem Tierheim zu holen. Viele sind aber einfach nur froh, ein Zuhause gefunden zu haben und von Anfang an wenig kompliziert. Ich möchte mit Joy’s Geschichte aber zeigen, dass auch eine “schwer vermittelbare” zu einer wunderbaren Gefährtin werden kann, wenn man ihr die Zeit, die Geduld und die Liebe gibt, die sie dazu braucht. Man muss sich darüber im Klaren sein, welche Probleme mit Katzen auftreten können. Das ständig irgendwo hin pinkeln hat mich fast den letzten Nerv gekostet, aber das muss man sich vorher überlegen. Wenn man die Geduld dazu hat, lohnt es sich, solche armen Tiere aus den Tierheimen zu holen und die Zeit zu investieren. Joy und ich sind uns einig, dass die ungesehene Adoption eine gute Entscheidung war. Wir bereuen, glaube ich, beide nichts!
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