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Warum auch warten, wenn Chaos doch so lustig ist…


Montag, 14. März 2011 von Sabine

Chaos ist lustig – anders lässt sich die völlig unkoordinierte Einführung des neuen „Biosprits“ E10 nicht erklären. Die Politik schiebt den schwarzen Peter der Mineralölwirtschaft zu, die gibt ihn postwendend zurück und der Tankstellenbetreiber ist eh der Depp. Deutschland, ich liebe dich!

Der Biosprit wirbelt ja nun seit einigen Jahren durch unser Land. Erstmal auf dem Papier, wo er in der EU durchgeboxt wurde, dann versucht Sigmar Gabriel, den Kraftstoff endlich in die Zapfsäulen zu bekommen. Allerdings stoppt er dieses Vorhaben, aus Angst, die Verbraucher könnten sich bei Wahlen gegen ihn stellen. Die jetzige Regierung holt die Pläne wieder raus und bekommt eben das zu spüren, wovor Gabriel noch Angst hatte. Die Geschichte des E10 ist eine holprige. Nun schwappt das E10 in unseren Zapfsäulen, aber der Verbraucher nimmt es tatsächlich nicht an. Die Spieler ändern sich, das Spiel nicht.

In einem sind sich heute wenigstens alle Beteiligten nach der katastrophalen Einführung einig: Der Bürger ist blöd und schlecht informiert. Dass es die Medien geschafft haben, über E10 zu schreiben, bspw. im Februar 2008 (!!) darauf aufmerksam zu machen, dass einige Millionen Fahrzeuge den Sprit nicht vertragen werden, oder dass es bereits seit 2009 flächendeckend sowohl (ein in der Zusammensetzung etwas anderes) E10 und gleichzeitig das normale Super-Benzin zu normalen Preisen in Frankreich gibt, sind natürlich keine Beweise dafür, dass die Einführung auch hätte anders verlaufen können… Nein, der Bürger wurde nicht schlecht informiert, sondern schlecht in die lobbyistischen Vorgänge eingebunden.

Da gibt es anscheinend Lobbyisten, die meinen, sobald man den Stempel „BIO“ draufhaut, kaufen die Deutschen es wie bescheuert; BIO-Eier, BIO-Fleisch, BIO-Sprit – aber nicht mit den Deutschen und vor allem nicht, mit des Deutschen Liebsten: seinem Auto.

Bereits seit Jahren kursieren also die Warnungen, dass etwa 10 % der vor allem älteren Fahrzeuge durch E10 Schäden davontragen können. Aber der Bürger ist schlecht informiert, besonders, dass die neueren Fahrzeuge fast durch die Bank weg mit den 10 % Ethanol gut klarkommen sollen.

Nun, jetzt hatten wir ja den Salat. Super E5 wird durch Super E10 ausgetauscht. Die Bestandklausel, die im Gesetz garantieren soll, dass Fahrer der älteren Fahrzeuge keinen Nachteil erleiden, haben viele Tankstellenbetreiber einfach durch Super Plus E5 umgangen – und/oder bei Super E5 fleißig an der Preisschraube gedreht. Die Tankstellen verteidigen sich, man müsse gesetzliche Mindestabgaben einhalten und würde durch den hohen Preis des alten E5 lediglich versuchen, den Absatz anzukurbeln. Dass sie damit eben die Fahrer der älteren Fahrzeuge abzocken, möchten sie so nicht sehen.

Der Benzingipfel liegt bereits hinter uns, den hat das Chaos ja nun unumgänglich gemacht. Ergebnis: Der schlecht informierte Bürger muss informiert werden! Dazu sollen nun kleine Broschüren an Tankstellen ausliegen. Eine Aral-Tankstelle in unserer Nähe hat solche Zettelchen schon – Info gleich Null, aber immerhin Info-Nummern der Hersteller. Wer möchte, kann ein kleines Suchspiel daraus machen, denn ich fahre z.B. Ford:

E10 Seite 1 001E10 Seite 2 001

Auf dem Benzingipfel haben sich die Hersteller übrigens dazu herabgelassen, eine rechtsverbindliche Liste zur Verträglichkeit bei allen Händlern und Werkstätten auszuhändigen. Ob man Schäden durch E10 allerdings nachweisen kann, versichert niemand. Daher steht die Frage im Raum, ob die Hersteller diese Garantie überhaupt jemals einlösen sollten…

Ein grundsätzliches Problem hat der Benzingipfel aber irgendwie übersehen: Wir leben „in einem freien Markt“, der sich auch selbst reguliert. Immer soll der Markt sich selbst regulieren, da werden Verbraucher schon mal gern im Regen stehen gelassen, weil man den Banken, Unternehmen und Wirtschaftslobbys nicht reinpfuschen will. Nun aber reguliert der Markt etwas, das die Politik und die Lobbys so nicht wollen – und die Politik nimmt deswegen extrem Einfluss auf den ach so freien Markt.

Der Verbraucher will kein E10. Er zahlt lieber knapp 4 Euro pro Tankfüllung mehr. Die Polizei in Schleswig-Holstein verbietet es sogar, ihren Fuhrpark mit E10 zu tanken. Und, entgegen der Aussagen der Politik, Mineralölwirtschaft und Tankstellenverbänden, übrgens auch entgegen der neuen biosprit-freundlichen Meinung des ADAC, gibt es sogar schlecht informierte Bürger, die sich bereits ein eigenes Bild gemacht haben und deshalb E10 boykottieren.

Es gibt Bürger, die haben, risikofreudig wie wir Deutschen sind, E10 getankt – und teilweise erhebliche Beeinträchtigungen ihrer Fahrzeuge bemängelt. Leistungsabfall, laute Geräusche, höherer Verbrauch. Ach ja, der höhere Verbrauch ist normal, liege so um die 1,5 Prozent – Verbraucher haben aber knapp 7 % errechnet. Ach, stimmt, der Bürger ist schlecht infomiert und kann bestimmt nicht den Dreisatz, mit dem man seinen Verbrauch allgemeinhin nun mal so errechnet. Und laute Geräusche müssen auch auf die schlechte Information zurückzuführen sein… Wäre der Verbraucher informiert, würde ein Motor nicht zicken.

Nun gibt es auch noch den bösen Verbraucher, der E10 nicht aus Angst um sein Auto, sondern aus Angst um die Umwelt oder Nahrungsmittelpreise boykottiert. Was? Dem Deutschen ist etwas wichtiger als sein Portemoinee oder sein Auto? Damit konnte man nicht rechnen… Besonders, wenn man sich so ansieht, was in der schlechten Informationspolitik der Politik, Mineralölwirtschaft und Tankstellenverbände so an den Verbraucher herangetragen wurde:

BUND-Kritik: Biotreibstoff E10 ist alles andere als Öko
Diskussion um neue Benzinsorte: E10 offenbar ein Problem für alle Autos

Okay, dass angeblich die 5%ige Ethanolerhöhung nicht zur Verwässerung von Schmierstoffen im Motor führen würde, hat die Bande uns schon weißgemacht. Hier wurde ja bereits von Herstellern wie Peugeot oder BMW zurückgerudert. Allerdings gibt es einen, für mich, entscheidenden Kritikpunkt, den sogar der Amerikaner verstanden hat, der damals den Biosprit wahlkampfmäßig unbedingt in den USA durchsetzen wollte, um Bauern unter die Arme zu greifen: Ethanol wird aus Biomaterial hergestellt, das derzeit auch in der Lebensmittelindustrie gebraucht werden würde – Mais, Getreide, Zuckerrüben. Es gibt eine Konkurrenz zwischen Ethanol fürs Fahren und Getreide zum Essen. Und solang Ethanol aus Nahrungsmitteln gewonnen wird, ist jede Ethanol-Erhöhung eine weitere Konkurrenzanhäufung zu den Lebensmittelpreisen.

Nun würde man meinen, die Politik könne Subventionen zur Erforschung des Ethanols aus „zweiter Generation“, also Abfällen aus der Nahrungsmittelproduktion oder sogar Rasenschnitt des Normalverbrauchers, erhöhen, damit diese Konkurrenz aus dem Weg geräumt wird. Nein. Auf dem Benzingipfel wurde darüber kein Wort verloren. Auch nicht, dass man doch sparsame bzw. Elektro-Autos weiter voranbringen könne. Nein. Vorgeschlagen wurde, dass das Kraftfahrtbundesamt jedem Verbraucher per Brief mitteilt, ob sein Wagen E10 verträgt – was Schätzungen zufolge bei knapp 20 Millionen Euro Kosten einzuordnen wäre. Die Kosten übernimmt natürlich keiner… Zum Glück für Steuerzahler wurde der Vorschlag deshalb auch abgelehnt.

Mein Fazit: Ich bin selbst ein wenig verwirrt, was E10 nun kann und was nicht, ob Motoren E10 vertragen oder nicht und ob der Preisvorteil, der von Tankstellen künstlich erzeugt wurde, nicht evtl. durch Reparaturen oder den höheren Verbrauch aufgefressen wird. Die Erhöhung des Ethanol-Anteils in Sprit ist umweltschutz-mäßig gesehen ein guter Gedanke. Will man sich doch vom Öl unabhängig machen und den CO2-Ausstoß verringern. Allerdings kann noch niemand nachweisen, dass der Anbau dieses Ethanols so reguliert wird, dass der CO2-Verbrauch während der Herstellung tatsächlich kleiner wäre als der CO2-Ausstoß der Fahrzeuge, die E10 getankt haben. Fakt ist aber, dass wir weiterhin am Öl hängen, solang die Automobilindustrie nicht dazu gedrängt wird, mit bezahlbaren Elektroautos rauszurücken. Fakt ist auch, dass dieser Ethanol-Anteil eine Konkurrenz zum Nahrungsmittelanbau darstellt und entweder den Anbau von Lebensmitteln reduziert oder den Anreiz zur Rodung neuer Anbauflächen anheizt. Und der letzte Fakt ist, dass es Fahrzeuge in Deutschland gibt, die E10 nicht vertragen (wenn auch nur 10 %), und die Halter dieser Fahrzeuge werden beschissen. Anscheinend auf gesetzlicher Grundlage… Ich tanke übrigens kein E10. Die sollen mir erst mal mit Langzeit-Studien kommen, die bei jedem Mist finanziert werden, nur nicht dann, wenn die Lobby das nicht brauchen kann.


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